Kapitel 5

Welches sind Gottes Methoden der Schöpfung?

Die Bibel lässt uns nicht im Unklaren darüber, wie Gott die Welt und alles Leben geschaffen hat, d. h. nach welchen generellen Prinzipien dieses geschah. An verschiedenen Stellen der Heiligen Schrift finden wir Hinweise, die wir sorgfältig zusammentragen müssen. Wie unsere menschlichen Erfindungen unsere „Handschrift“ tragen, so weisen auch die Werke Gottes unverkennbar auf ihn hin.1

Häufig sind Erfindungen untrennbar mit den Namen ihrer Konstrukteure verknüpft, z. B. das Luftschiff mit dem Grafen Ferdinand von Zeppelin, der Dieselmotor mit Rudolf Diesel, das Telefon mit Philipp Reis oder der Computer mit Konrad Zuse. Im Bereich der Dichtung ist Goethes „Faust“ nicht zu verwechseln mit Bert Brechts „Mutter Courage“, und niemand würde Schillers „Glocke“ für einen Text aus der Bildzeitung halten. Musikkenner merken nach wenigen Takten, wenn ein Stück von Mozart erklingt, und Arnold Schönbergs Zwölftonmusik wird man nicht für Bachkantaten halten. Maler und Bildhauer haben ebenso unverwechselbar ihre persönliche Note in ihren Werken hinterlassen. Michelangelos „Mose“ wird man nicht als das Werk eines Picasso ausgeben können, und Rembrandts „Verlorener Sohn“ spiegelt hinsichtlich Maltechnik, Motivwahl und Ausdrucksweise so sehr seine Eigenart wider, dass dieses Gemälde unmöglich dem Surrealisten Salvadore Dali zuzuschreiben wäre.

So hat auch Gott in unnachahmlicher Weise seiner Schöpfung seinen Stempel aufgedrückt. Es ist ein für jeden lesbares Autogramm. Darum sagt der Psalmist, dass „keine Sprache noch Rede“ (Psalm 19,4 LUT1912) erforderlich ist, um den Beobachter von der Genialität und dem Ideenreichtum der Werke Gottes zu überzeugen. Einige von Gottes Schöpfungsprinzipien wollen wir hier benennen:

Schöpfungsmethode 1: Aus dem Nichts

Jede Firma benötigt zur Fertigung einer Maschine Rohstoffe und Halbfabrikate (z. B. Drähte, Bleche, Rohre), um das Erzeugnis herzustellen. Ein Pharmakologe kann aus chemischen Grundstoffen Medikamente synthetisieren, und ein Bildhauer kann aus einem Granitblock eine ästhetische Skulptur heraushauen, aber kein Chemiker könnte aus dem Nichts auch nur ein einziges Sandkorn oder 1 cm3 Wasserstoff herstellen. Wir können nur bereits vorhandene Stoffe chemisch umwandeln oder ihre Gestalt verändern.

Grundlegend anders ist das bei dem Schöpfer: Er schafft aus dem Nichts. Er ruft das Nichtseiende, dass es da sei. Das gilt gemäß Römer 4,17 nicht allein für die Materie, sondern auch für menschliche Nachkommen. Es gilt festzuhalten: Für Gott gibt es nirgends ein Unmöglich! Diese Schöpfung ex nihilo („aus dem Nichts“) wird in Hebräer 11,3 (LUT1912) besonders deutlich:

Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort gemacht ist, sodass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.

Alles, was wir in dieser Welt wahrnehmen, ist also nicht entwicklungsmäßig aus früheren Stadien der Materie hervorgegangen (etwa: Urknall ➔ Gaswolke ➔Galaxien ➔ Sonne ➔ Erde➔ Leben). Nein, Gott rief alles in Existenz, ohne auf Vorhandenes zurückzugreifen. Dieser Aspekt wird besonders deutlich in einer anderen Übersetzung des obigen Verses:

Durch Glauben erkennen wir, dass die Welten durch ein Allmachtswort ins Dasein gerufen worden sind, damit nicht etwa das Sichtbare aus dem Vorhandenen selbst entstanden gedacht wird.

Ebenso eindeutig gibt es die englische New International Version wieder:

By faith we understand that the universe was formed at God’s command, so that what is seen was not made out of what was visible.

Dieses Gotteswort erteilt eine klare Absage an alle Evolutionstheorien, die ja durchweg von vorhandener Materie ausgehen.

Schöpfungsmethode 2: Spontan

Alle Evolutionstheorien brauchen zu ihrer Begründung sehr lange Zeiträume, denn die Entwicklung soll so langsam vor sich gegangen sein, dass keine Generation etwas davon spürte.

Wenn die Bibel dagegen von Schöpfung spricht, dann werden dort immer spontan eintretende Ereignisse geschildert. Gottes Wort und Befehl haben augenblickliche Erfüllung zur Folge. So lesen wir es beispielsweise in Psalm 33,9 (MENGE):

Denn er sprach: da geschah’s; er gebot: da stand es da.

Auch Psalm 148,5 (ELB2006) vermittelt für das Schöpfungshandeln das sofortige fertige Ergebnis auf den gebieterischen Ruf Gottes hin:

Denn er gebot, und sie waren geschaffen.

Dem englischen Erweckungsprediger Charles Haddon Spurgeon (1854–1892) kann man nur zustimmen, wenn er feststellt: „Es ist überwältigend, wie leicht und schnell Gott erschaffen kann.“

Die Zeitfrage können wir uns auch logisch erschließen: Stellen wir uns zwei Studenten vor, denen wir eine schwierige Aufgabe zur Lösung vorlegen. Der eine ist hochintelligent, der andere hat gerade so das Abitur geschafft. Wer wird schneller fertig sein? Natürlich der Intelligente!

Wir erkennen mühelos: Mit zunehmender Intelligenz y braucht man weniger Zeit T zur Lösung. Mathematisch ausgedrückt ist die Funktion y = f(T) eine Hyperbelfunktion der Art y ~ 1/T. Die Hyperbel läuft asymptotisch gegen die Abszisse T und auch asymptotisch gegen die Ordinate y. Das bedeutet: Wenn jemand unendlich intelligent ist (y = ∞), dann braucht er zur Lösung der Aufgabe gar keine Zeit mehr (T = 0).

Die Bibel bezeugt mehrfach, dass Gott allmächtig und allwissend ist. Nach diesem leicht einsichtigen Hyperbelgesetz brauchte Gott somit zur Erschaffung der gesamten Schöpfung überhaupt keine Zeit

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Gott hat jedoch für die Schöpfung einen bestimmten Zeitraum in Anspruch genommen – aus einem einzigen Grunde: Er wollte eine Analogie schaffen zu dem uns gegebenen Gebot „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage . . . da sollst du keine Arbeit tun“ (2. Mose 20,9–10 LUT). Diese göttliche Analogie kommt im nächsten Vers zum Ausdruck: „Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage“ (Vers 11 LUT).

Wenn manche Zeitgenossen die Sechs-Tage-Schöpfung ablehnen, dann sind sie damit mathematisch unlogisch und zudem auch biblisch unkorrekt, weil sie Gott damit unterstellen, er habe nur eine begrenzte Macht.

Schöpfungsmethode 3: Durch Kraft

Kraft ist eine Wesensart Gottes des Vaters

Neben vielen Merkmalen Gottes wie Liebe, Licht, Leben, Güte, Barmherzigkeit ist auch Kraft eines seiner Wesenskennzeichen. Im Vaterunser beten wir: „Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“, und in Psalm 147,5 (LUT) werden wir unterwiesen: „Unser Herr ist groß und von großer Kraft.“

Kraft ist eine Wesensart Jesu

Schon in der prophetischen Ankündigung der Geburt Jesu wird auf seine Göttlichkeit hingewiesen und damit implizit auch auf seine Kraft: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst“ (Jesaja 9,5 LUT)

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In der Offenbarung des Johannes gibt es sieben Lobhymnen (Doxologien), wobei vier Mal (Offenbarung 5,12; 7,12; 12,10; 19,1) die Kraft Gottes und Jesu gepriesen wird. In Offenbarung 5,12 LUT1912 steht von den sieben genannten Wörtern die Kraft sogar an erster Stelle: „Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.“

Kraft ist eine Wesensart des Heiligen Geistes

Auch der Heilige Geist erweist sich in Kraftwirkungen. Im Missionsbefehl am Ende des Lukasevangeliums spricht der Herr Jesus von der Kraft des Heiligen Geistes: „Und siehe, ich will auf euch herabsenden, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet mit Kraft aus der Höhe“ (Lukas 24,49).

Wo Gottes Kraft wirksam und sichtbar wird

Wie im Bereich der Physik Kräfte nicht direkt sichtbar sind, sondern nur an ihren Auswirkungen ermessen werden können, so gilt das auch für die Kraft Gottes, die z. B. wirksam wird bei:

  • der Auferstehung Jesu und auch bei unserer Auferstehung (1. Korinther 6,14),
  • den Krankenheilungen Jesu (Markus 5,30; Lukas 5,17),
  • der uns verändernden Wirkung des Evangeliums (Römer 1,16).

Die Bibel bezeugt uns nun, dass Gott auch bei der Schöpfung seine Kraft eingesetzt hat: „Er hat die Erde durch seine Kraft gemacht“ (Jeremia 10,12 LUT). Die Größe dieser eingesetzten Kraft können wir heute noch an der Schöpfung ablesen: „Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen seit der Schöpfung der Welt und wahrgenommen an seinen Werken“ (Römer 1,20). Der gesamte Kosmos, also die Erde und das Weltall, geben Zeugnis von Gottes unvorstellbarer Kraft und Herrlichkeit. Anhand einiger Zahlen wollen wir uns eine Vorstellung davon verschaffen:

Unsere Sonne hat eine Masse, die 330 000 Mal größer ist als die unserer Erde. In jeder Sekunde verliert die Sonne 4,3 Millionen Tonnen dieser Masse und setzt sie entsprechend der Gleichung von Albert Einstein (1879–1955) E = m∙c2 in Energie um. Die Gesamtstrahlung der Sonne beträgt demnach 3,86∙1020 Megawatt (MW). Das ist eine unvorstellbare Leistung – sie ist um 80 000 000 000 000 000 (80 Billiarden!) Mal größer als die des größten Kraftwerks Deutschlands in Neurath (Rhein-Kreis Neuss) mit 4 400 MW.

Ein Hurrikan (tropischer Wirbelsturm) bewegt etwa 3,5 Milliarden Tonnen Luft mit einer Geschwindigkeit von 150–300 km/h. Das entspricht einer Leistung von 6∙1012 MW (6 Billionen!).

Der Prophet Nahum lässt uns wissen: „Er ist der Herr, dessen Weg in Wetter und Sturm ist; Wolken sind der Staub unter seinen Füßen“ (Nahum 1,3b LUT).

Keine Kraft dieser Welt und des Weltalls ist vergleichbar mit der Kraft Gottes, denn alles ist durch ihn geschaffen. Im Bereich der Astronomie kennen wir Massenkräfte, mit denen sich die Gestirne anziehen. Sie sind nur noch durch Zahlen ausdrückbar, bei denen uns jedes Vorstellungsvermögen fehlt. Beziehen wir in unsere Überlegungen die unzählbaren Sterne mit ein, deren Gesamtmasse man auf 1054 kg schätzt, und rechnen diese nach E = m∙c2 um, so erhalten wir die immense Energie von 1061 MWh.

All diese unvorstellbaren Kräfte und Energien wurden freigesetzt durch das „Und Gott sprach“. So ist es verständlich, dass Paulus die Worte fehlen, wenn er in menschlicher Sprache von der Größe der Kraft Gottes redet. In Kolosser 1,11 spricht er von der „Macht seiner Herrlichkeit“ (ELB2006), und Epheser 1,18–20 ist geradezu eine Kraftbombe: „Damit ihr wisst . . . was die überragende Größe seiner Kraft an uns ist, nach der Wirksamkeit der Macht seiner Stärke. Die hat er in Christus wirksam werden lassen“ (ELB2006).

Die Kraftfülle Gottes ist unermesslich, unerschöpflich und für uns unvorstellbar. Diese Kraft brachte auch die Schöpfung hervor.

Schöpfungsmethode 4: Durch das Wort

Es gehört wohl zu den tiefsten Geheimnissen des Schöpfungszeugnisses, wie die Erschaffung „durch das Wort“ geschah. In Psalm 33,6 (LUT) heißt es: „Der Himmel ist durch das Wort des HERRN gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes.“ Hebräer 11,3 sagt uns: „Durch Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, sodass das Sichtbare nicht aus Erscheinendem geworden ist“ (ELB2006).

Die sichtbare Welt ist somit nicht aus wahrnehmbaren Dingen entstanden. Wie dann? Aus den Gedanken Gottes! Durch das Wort Gottes! Durch das Wort seiner Macht wurden die Gedanken Gottes in sichtbare Wirklichkeit, in die für uns wahrnehmbare Schöpfung, umgesetzt.

Wie ist dieser Vorgang erkennbar? Durch Naturwissenschaft? Durch Forschung? Durch philosophisches Denken? Dieses Geheimnis zu erfassen, bleibt einzig dem Glauben vorbehalten: „Durch Glauben erkennen wir . . . “ Einen anderen Zugang gewährt Gott uns nicht. Er hat den Prozess der Informationsgewinnung über den Glauben geleitet. Alle anderen Erkenntnisversuche erweisen sich darum als nicht gangbar.

In 1. Mose 1 heißt es zehn Mal: „Und Gott sprach.“ Die von Gott ausgesprochenen Gedanken wurden so rasch realisiert, dass Gott sie unmittelbar danach betrachten konnte: „Und Gott sah!“

Der Beginn des Johannesevangeliums führt uns dem Geheimnis „Durch das Wort“ ein erhebliches Stück näher. Dieses „Wort“ ist nicht ein Schall oder eine Buchstabenkette, sondern eine Person, wie Gott selbst Person ist:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. Johannes 1,1–3 LUT

Spätestens bei Vers 10: „Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht“, wird deutlich, dass dieses Wort (griech. der Logos) Jesus Christus ist. Jesus und das Wort bilden eine große Einheit – ja geradezu eine Identität –, die sich mit zahlreichen Schriftstellen belegen lässt. Zu den gewaltigsten Aussagen Jesu gehören die „Ich bin“-Worte. Obwohl es den Satz „Ich bin das Wort“ in dieser Form nicht explizit gibt, so drücken der Anfang des Johannesevangeliums und die Textstelle von Offenbarung 19,13 „Sein Name heißt: Das Wort Gottes“ doch sinngemäß gerade das aus.

Die Schöpfung geschah also durch Jesus, der in seinem Wesen ganz und gar „das Wort Gottes“ ist. Alles wurde durch Jesus, und ohne ihn wurde auch nicht eines, was geworden ist: „Denn in ihm (= Jesus Christus) ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm“ (Kolosser 1,16–17 LUT).

Schöpfungsmethode 5: Durch Weisheit und Rat

Die biblischen Begriffe „Weisheit“ und „Rat“ entsprechen einander und können als Synonyme für die heute üblichen Wörter „Intelligenz“ und „Information“ angesehen werden. Einige Zitate sollen uns diese Schöpfungsmethode „Durch Weisheit“ vergegenwärtigen:

Denn der Herr hat die Erde durch Weisheit gegründet und durch seinen Rat die Himmel bereitet. Sprüche 3,19

HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. Psalm 104,24 LUT1912

Der die Himmel mit Weisheit gemacht hat . . . Psalm 136,5 LUT

Bei den Begriffen „Weisheit“ und „Rat“ haben wir es mit einer weiteren Wesensart Jesu zu tun. Die prophetische Namensankündigung ist gleichzeitig Wesenszug der Person: „Er heißt Wunder-Rat“ (Jesaja 9,5 LUT). Im Neuen Testament wird diese Aussage noch weiter vertieft in Kolosser 2,3 (LUT): „In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.“

Wenn Christus der Schöpfer ist, dann kann seine Schöpfung nicht nach Prinzipien gemacht sein, die auf Zufall beruhen (Mutation, Selektion, Selbstorganisation).

Bevor wir uns einige „Erfindungen“ in der Schöpfung ansehen, wollen wir die Gegenposition benennen, und das ist die Evolutionslehre. Ein bekannter Vertreter dieser Lehre ist der Göttinger Nobelpreisträger Manfred Eigen (*1927), der annimmt, dass die Entstehung des Lebens allein physikalisch und chemisch deutbar ist:

Jedes durch Mutation und Selektion erhaltene System ist hinsichtlich seiner individuellen Struktur unbestimmt, trotzdem ist der resultierende Vorgang der Evolution zwangsläufig – also Gesetz . . . Der Optimierungsvorgang der Evolution ist somit im Prinzip unausweichlich, hinsichtlich der Auswahl der individuellen Route jedoch nicht determiniert. Schließlich zeigt sich, dass die Entstehung des Lebens an eine Reihe von Eigenschaften geknüpft ist, die sich sämtlich physikalisch eindeutig begründen lassen. Die Vorbedingungen zur Ausbildung dieser Eigenschaften sind vermutlich schrittweise erfüllt worden, so dass der „Ursprung des Lebens“ sich ebenso wenig wie die Evolution der Arten als einmalig vollzogener Schöpfungsakt darstellen lässt.2

Wie sehr Manfred Eigen der Gedanke an einen persönlichen Schöpfer widerstrebt, wird deutlich in der von ihm verfassten Vorrede zu Jaques Monods (1910–1976) Buch Zufall und Notwendigkeit:

Die Molekularbiologie hat dem Jahrhunderte aufrecht erhaltenen Schöpfungsmystizismus ein Ende gesetzt . . . Wenn wir schon eine Begründung unserer Ideen finden wollen, so sollten wir diese in der letzten Stufe, nämlich beim Zentralnervensystem des Menschen, suchen, denn hier ist der Ursprung aller Ideen.3

Die völlige Unvereinbarkeit von Schöpfung und Evolution kommt hier deutlich zum Ausdruck. Während ein Vertreter der Evolutionslehre den Ursprung aller Ideen letztlich in der Materie sucht, sieht ein bibelorientierter Christ den Ursprung aller genialen Ideen in der Schöpfung in Gott bzw. in Christus, der Quelle aller Weisheit und Erkenntnis (Kolosser 2,3). In den Werken der Schöpfung werden wir daher die Weisheit des Schöpfers entdecken, das heißt einen ungeahnten Ideenreichtum und eine hochgradige Zweckmäßigkeit feststellen.

Alljährlich treffen sich in Dayton, Ohio mehr als 2000 Biologen und Techniker aus allen Teilen der Welt, um Erfahrungen über die gemeinsame „Werkspionage“ aus dem Bereich der Schöpfung auszutauschen. Ein Spezialgebiet dominiert über alle anderen: die Sinnesorgane bei Mensch und Tier, die zu unbegreiflich erscheinenden Spitzenleistungen fähig sind. Vitus B. Dröscher (1925–2010) malt sich 1980 eine technische Welt aus, die in der Lage wäre, die Realisierungen der Schöpfung nachzuahmen:

Wenn es gelingt, magnetische und elektrische Sinne, Wärmeaugen, Schmetterlingsantennen, Bildhörer, Musterdetektoren, elektronische Instinkte und künstliche Intelligenz technisch in den Griff zu bekommen, wären die Folgen kaum abzusehen. Ein vollautomatischer Kraftwagen, der ohne menschliche Hilfe sicher durch dichtes Verkehrsgewühl steuert, eine künstliche Hunderasse, die getauchten U-Booten durch die Weltmeere folgen oder Verbrecher entlarven kann, ein Roboter mit Sprachverständnis, der die Stenotypistin im Büro ersetzt, ein Tastgerät zum Vorhersagen von Erdbeben und viele andere Dinge würden das Gesicht der Welt verändern.4

Wir greifen hier nur vier ausgewählte Beispiele aus der Schöpferwerkstatt Gottes heraus, um damit Zeugnis von seinen erstaunlichen Ideen zu geben:

Flug der Zugvögel

Jeder Vorgang in Physik, Technik oder Biologie verläuft streng nach dem Energiesatz ab, das heißt: Jeder Arbeitsvorgang benötigt zu seiner Durchführung eine bestimmte Energiemenge. Das Energieproblem des Zugvogels besteht darin, genügend Treibstoff in Form von Fett mit sich zu führen, um die anstehende Reiseroute zu bewältigen. Wegen der geforderten guten Flugeigenschaften muss die gesamte Konstruktion des Vogels auf Leichtbauweise ausgerichtet sein. Unnötiges Gewicht ist also absolut zu vermeiden. So ist auch ein optimaler Umgang mit dem Treibstoff erforderlich.

Wie hat es der Schöpfer realisiert, dass der „Brennstoff“ ohne Nachtanken so lange ausreicht? Alle Vorgänge in den Lebewesen laufen informationsgesteuert ab. Die Konstruktion des Vogels beruht ebenso auf Information wie die präzise Navigation. Am Beispiel des Goldregenpfeifers, der dreieinhalb Tage ununterbrochen von Alaska nach Hawaii fliegen muss, lässt sich sogar der vom Schöpfer im Voraus geplante Energiebedarf mathematisch nachvollziehen.5

Photosynthese

Der Photosynthese-Forschung ist es bis heute noch nicht gelungen, die unvorstellbare Komplexität der dahinter stehenden molekularen Mechanismen aufzuklären. Die Kenntnis der Bilanzgleichungen und einzelner enzymgesteuerter Zwischenschritte darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Unwissenheit hier unvergleichlich höher ist als das Erforschte. Der Bioenergetiker Albert L. Lehninger (1917–1986) rechnet diese vielen ungeklärten Fragen „zu den faszinierendsten biologischen Problemen.“6

Die direkte technische Umsetzung von Sonnenlicht in chemischen Treibstoff ist eine Wunschvorstellung aller Solarenergie-Ingenieure. Den Prozess der Photosynthese hat bisher kein noch so findiger Ingenieur, Chemiker oder Verfahrenstechniker nachbauen können, aber in jeder mikroskopisch kleinen Zelle eines Grashalms ist dieser Vorgang auf geniale Weise realisiert. Jede phototrophe Zelle (d. h. Licht als Energiequelle zu verwenden) braucht das dazu erforderliche Informationsprogramm, um eine so optimale Energieumwandlung vornehmen zu können.7

Planet Erde

In unserer Zeit gibt es eine geradezu fieberhafte Suche nach Exoplaneten – also Planeten, die nicht zu unserem Sonnensystem gehören. Mittlerweile hat man 3801 solcher Planeten in unserer Galaxie entdeckt (Stand: 6. Juli 2018). Keiner davon erfüllt die Bedingungen, um Leben beherbergen zu können. Unsere Erde hingegen erfüllt alle notwendigen Bedingungen, um hier leben zu können. Hier seien nur die wichtigsten genannt:

  • Sie hat den richtigen Abstand von der Sonne.
  • Sie hat die richtige Umdrehungsgeschwindigkeit.
  • Sie hat die richtige Länge des Jahres.
  • Sie hat die richtige Neigung ihrer Drehachse.
  • Sie hat einen Mond mit der richtigen Größe.
  • Sie hat die richtige Masse und Größe.
  • Sie hat eine einmalige Zusammensetzung ihrer Atmosphäre.
  • Sie hat eine Atmosphäre mit der richtigen Dichte.
  • Sie hat die notwendige Ozonschicht.
  • Sie hat das notwendige Magnetfeld
  • Sie beherbergt die notwendige riesige Menge an Wasser.

In Signale aus dem All – Wozu gibt es Sterne? wird erläutert, welche Bedeutung jede dieser Bedingungen hat. Wäre auch nur eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, dann wäre insbesondere menschliches Leben hier nicht mehr möglich. Alle diese Fakten lassen auf einen genialen Schöpfer schließen, der alles sorgfältig bereitet hat.8

Geniale Technik bei den roten Blutkörperchen

In jedem Kubikmillimeter (1 mm3 = 1 μl = 1 Mikroliter) Blut haben wir 5 Millionen rote Blutkörperchen. Es sind hochspezialisierte U-Boote, die aber keine lebenstötenden Torpedos an Bord haben, sondern etwas äußerst Lebensnotwendiges verrichten: 175 000 Mal werden sie während der 120-tägigen Lebensdauer mit Sauerstoff betankt, und gleichzeitig entladen sie in der Lunge das durch die Oxidation entstandene Abfallprodukt Kohlendioxid (CO2).

Pro Sekunde werden zwei Millionen neue rote Blutkörperchen erzeugt, die den lebensnotwendigen roten Blutfarbstoff Hämoglobin enthalten, eine bemerkenswerte, sehr komplexe chemische Verbindung.

Das Hämoglobin wird für den Sauerstofftransport schon während der Embryonalentwicklung benötigt. Bis zum dritten Monat ist der Sauerstoffbedarf deutlich anders als im fetalen Stadium (ab dem 3. Monat), und darum wird eine jeweils andere Hämoglobinart mit einer anderen chemischen Zusammensetzung benötigt. Kurz vor der Geburt laufen dann alle Fabriken auf Hochtouren, um nochmals eine Umstellung auf das Erwachsenenhämoglobin durchzuführen.

Die drei Hämoglobinarten können nicht auf evolutivem Wege durch Ausprobieren gefunden werden, weil die meisten anderen Varianten nicht genügend Sauerstoff transportieren würden, und das wäre der sichere Tod. Selbst wenn in zwei Stadien das richtige Molekül hergestellt würde, dann wäre es absolut tödlich, wenn das dritte nicht stimmen würde. Drei Mal wird für die Hämoglobinherstellung eine grundlegend andere Biomaschinerie gebraucht, die auch noch zum richtigen Zeitpunkt die Produktion umstellen muss.

Woher kommt eine solch komplizierte Maschinerie? Jegliche Evolutionsvorstellung versagt hier gründlich, denn in ihren halbfertigen Zwischenstadien, die laut Evolution zu dieser komplexen Maschinerie geführt hätten, hätten die Lebewesen gar nicht erst überlebt.9

Zusammenfassung

Wir haben fünf der Schöpfungsmethoden erläutert, die uns sämtlich Gott in seinem Wort offenbart hat. Das Bemühen, die Handlungsweisen des Schöpfers mit naturwissenschaftlichen Methoden ergründen zu wollen, muss schon im Ansatz scheitern, weil die Behandlung von Herkunftsfragen dieser Welt und allen Lebens jenseits des naturwissenschaftlich Möglichen liegt. Alle Versuche, die Herkunft des Lebens mit Hilfe der Evolutionstheorie zu erklären, sind schon darum zum Scheitern verurteilt. So kann diese Idee letztlich nur in die Irre führen – sie ist eine wissenschaftliche Sackgasse und eine zutiefst gottlose Lehre, die das Licht der biblischen Botschaft vernebelt.

Dir. u. Prof. a. D. Dr.-Ing. Werner Gitt, Braunschweig: 1971 Leiter des Fachbereichs Informationstechnologie der Abteilung für Wissenschaftlich-Technische Querschnittsaufgaben innerhalb der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig; 1978 wurde er zum Direktor und Professor bei der PBT ernant (bis zum Ruhestand 2002). Werner Gitt hat sich mit wissenschaftlichen Fragestellungen aus den Bereichen Informatik, numerischer Mathematik und Regelungstechnik beschäftigt und die Ergebnisse in zahlreichen wissenschaftlichen Originalarbeiten publiziert. Er ist Mitglied der Studiengemeinschaft Wort und Wissen und tritt in ganz Deutschland als Vortragsredner und Evangelist auf. Er hat zahlreiche Bücher verfasst.

Literatur

Vitus Bernward Dröscher, Magie der Sinne im Tierreich. München (3. Auflage 1980).

Manfred Eigen, „Selforganisation of Matter and the Evolution of Biological Macromolecules“. Naturwissenschaften 58, S. 465–523.

Werner Gitt, Information – Der Schlüssel zum Leben. Bielefeld: CLV (6. Auflage 2018), 512 S.

Werner Gitt, Signale aus dem All – Wozu gibt es Sterne? Bielefeld: CLV (4. Auflage 2004), 222 S.

Werner Gitt, Faszination Mensch. Bielefeld: CLV (3. Auflage 2016), 155 S.

Albert Lester Lehninger, Bioenergetik. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 261 S.

Jacques Monod, Zufall und Notwendigkeit. München: Piper (3. Auflage 1977).

Buch: Fragen und Antworten zur Wahrheit der Bibel

In diesem Band geht es vor allem um die Frage „Evolution – Wissenschaft oder Glaube?“

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Footnotes

  1. Die Bibelzitate in diesem Kapitel sind aus wortgetreuen Übersetzungen übernommen und zum Teil dem Urtext gemäß selber formuiert.
  2. Manfred Eigen, „Selforganisation of Matter and the Evolution of Biological Macromolecules“, Naturwissenschaften 58, S. 465–523.
  3. Jacques Monod, Zufall und Notwendigkeit. München: Piper (3. Auflage 1977).
  4. Vitus B. Dröscher, Magie der Sinne im Tierreich. München (3. Auflage 1980).
  5. Werner Gitt, Information – Der Schlüssel zum Leben. Bielefeld: CLV (6. Auflage 2018), S. 440–444.
  6. Albert Lester Lehninger, Bioenergetik. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 261 S.
  7. Werner Gitt, Information– Der Schlüssel zum Leben. Bielefeld: CLV (6. Auflage 2018), S. 427.
  8. Werner Gitt, Signale aus dem All – Wozu gibt es Sterne? Bielefeld: CLV (4. Auflage 2004), S. 157–163.
  9. Werner Gitt, Faszination Mensch. Bielefeld: CLV (3. Auflage 2016), S. 62–63.

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